Freistehen bei Freunden – wenn aus einem Stellplatz ein Ort zum Ankommen wird
Du fährst einen Schotterweg entlang, vorbei an kleinen roten Häusern, und irgendwann werden selbst die weniger. Diesmal bist Du in Schweden unterwegs und der Weg führt immer weiter in den Wald hinein. Nach einer ganzen Weile fragst Du Dich schon, ob Du wirklich richtig bist, bis der Schotterweg schließlich an einem kleinen Wendehammer endet. Dahinter liegt ein Hof, ziemlich weit draußen und genauso, wie Du ihn von den Bildern kennst.
Du stellst den Motor ab und noch bevor Du Dich richtig sortiert hast, kommt jemand auf Dich zu, begrüßt Dich und zeigt Dir, wo Du stehen kannst. Es gibt zwei oder drei Möglichkeiten, also suchst Du Dir den Platz aus, der Dir am besten gefällt.
„Meld Dich einfach, wenn Du angekommen bist. Ich bin drüben im Garten, dann zeige ich Dir alles.“ Damit ist erst einmal alles gesagt.
Du hast Zeit, Deinen Camper hinzustellen, die Hunde rauszulassen, einen Kaffee zu machen und Dich umzusehen. Niemand erwartet, dass Du unmittelbar nach der Ankunft irgendwo erscheinst oder erst einmal eine halbe Stunde Regeln erklärt bekommst.
Später gehst Du rüber zum Haus. Der Weg führt an den Beeten und den Hühnern vorbei, es wird Dir gezeigt, wo Dusche und Toilette sind, wo Du Wasser bekommst und was sonst noch wichtig ist. Irgendwann fällt der Satz: „Wir kochen heute Abend zusammen. Wenn Du Lust hast, komm einfach dazu und bring irgend etwas mit.“
So oder so ähnlich ist das Leben an unseren Haven.
Nicht als Campingplatz in klein und auch nicht als Wiese, auf der jemand gegen Geld ein paar Fahrzeuge abstellt. Es geht um einen Ort, an dem Menschen bereit sind, andere Menschen für eine Zeit in ihr Leben und auf ihr Grundstück zu lassen.
Am Abend sitzt Ihr vielleicht tatsächlich gemeinsam am Feuer, redet länger als geplant und stellt irgendwann fest, dass es längst dunkel geworden ist. Zwei oder drei Tage später kennst Du nicht nur den Platz, sondern auch die Menschen, die dort leben. Und wenn Du weiterfährst, verabschiedest Du Dich deshalb nicht einfach von einem schönen Stellplatz.
Du verabschiedest Dich von Menschen.
Der Ort selbst muss dafür überhaupt nichts Spektakuläres haben. Keine berühmte Sehenswürdigkeit, keinen besonderen Aussichtspunkt und auch nichts, was in irgendeinem Reiseführer groß erwähnt würde. Ein Hof, ein Garten, Wald, Ruhe und Menschen, die sich darüber freuen, dass Du da bist, können sehr viel mehr in Erinnerung bleiben als der nächste perfekt gelegene Stellplatz.
Genau diese Art des Reisens interessiert uns.
Stellplätze gibt es genug. Aber wo sind die echten Begegnungen?
Natürlich brauchen wir unterwegs einen Platz, an dem wir nachts stehen können. Wir benutzen selbst Stellplatz-Apps, Campingplätze, Karten und Stellplatzführer und wollen das auch überhaupt nicht schlechtreden. Sie erfüllen ihren Zweck und sind oft ausgesprochen praktisch.
Trotzdem haben wir irgendwann gemerkt, wie viel Zeit unterwegs allein für die Stellplatzsuche draufgeht. Wo dürfen wir heute Nacht stehen? Ist Freistehen erlaubt? Gibt es Wasser? Ist der Platz ruhig? Sind Hunde erlaubt? Was schreiben die Bewertungen? Ist der Platz schon voll? Und schon sitzt man wieder mit dem Handy in der Hand, obwohl man eigentlich losgefahren ist, um unterwegs zu sein und etwas vom Land und den Menschen mitzubekommen.
Das eigentliche Problem ist für uns deshalb gar nicht, dass es zu wenige Stellplätze gibt. Uns fehlt etwas anderes. Wir möchten wissen, bei wem wir willkommen sind. Nicht nur: Wo kann unser Fahrzeug stehen? Sondern: Wo gibt es Menschen, die sagen, dass wir gerne für eine Weile kommen dürfen?
Aus dieser Frage ist MyNomadHaven entstanden.
Was wir unter einem Haven verstehen
In ganz Europa gibt es Menschen mit kleinen Höfen, Gärten, Werkstätten, Permakulturprojekten, Landwirtschaft oder einfach einem Grundstück, auf dem Platz für ein oder zwei Fahrzeuge wäre. Viele dieser Menschen haben überhaupt kein Interesse daran, einen Campingplatz zu betreiben, würden aber durchaus gerne Reisende kennenlernen und ihnen für ein paar Tage oder Wochen einen Platz geben. Genau diese Orte interessieren uns.
Wir kennen einen Ziegenhof in Portugal, Permakulturprojekte, eine Mandel- und Olivenfarm in Italien, Höfe in Deutschland, Schweden und anderen Ländern. Solche Orte sind oft weit entfernt von dem, was man normalerweise als touristisches Ziel bezeichnen würde. Das macht sie für uns gerade interessant.
Wer bei Menschen auf ihrem Land steht, bekommt eine Region auf eine andere Weise mit. Beim Kaffee erfährst Du, wo der Fluß liegt, an dem kaum jemand unterwegs ist, welcher Bäcker tatsächlich noch selbst backt, bei wem es Gemüse gibt oder welcher Nachbar seit dreißig Jahren alles repariert, was einen Motor hat.
Das sind die Dinge, die man nicht in einer Stellplatz-App findet.
Und je länger Du an einem Ort bleibst, desto mehr davon bekommst Du mit. Nach einigen Tagen kennst Du den kleinen Laden im Ort, weißt, wann Markt ist, hast Deine Runde mit dem Hund gefunden und grüßt die ersten Leute, denen Du inzwischen zum dritten Mal begegnest. Für kurze Zeit gehört dieser Ort ein kleines bisschen zu Deinem Alltag.
Das ist keine spektakuläre Form des Reisens. Genau das ist der Punkt. Wir wollen nicht möglichst viele Länder in möglichst wenig Zeit schaffen. Uns interessiert das langsame Reisen, bei dem man sich erlaubt, irgendwo zu bleiben, obwohl man am nächsten Morgen problemlos wieder weiterfahren könnte.
Freistehen bei Freunden
Irgendwann hatten wir für diese Idee einen Satz im Kopf, der bis heute am besten beschreibt, was wir meinen: Freistehen bei Freunden
Dazu gehören für uns drei Dinge:
Legal · Freundschaftlich · Entspannt
Das „legal“ ist uns wichtig, weil Freistehen nur so lange romantisch klingt, bis man nachts im Bett liegt und sich fragt, ob gleich jemand an die Scheibe klopft. Auf der anderen Seite ist es für einen Grundstücksbesitzer genauso wenig romantisch, morgens einen fremden Camper auf seinem Land zu entdecken, dessen Bewohner irgendwann in der Nacht entschieden haben, dass es dort doch ganz nett aussieht.
Gastfreundschaft funktioniert nur, wenn sie von beiden Seiten gewollt ist. Auf einem Haven weißt Du, dass Du dort stehen darfst. Der Mensch, dem der Platz gehört, weiß, dass Du kommst. Es muss niemand hoffen, dass schon nichts passiert, und niemand muss sich fragen, wer da eigentlich auf seinem Grundstück steht.
Mit „freundschaftlich“ meinen wir nicht, dass aus jeder Begegnung eine Freundschaft entstehen muss. Das wäre schon deshalb Unsinn, weil Menschen nun einmal verschieden sind und auch nicht jeder ständig Gesellschaft haben möchte. Es geht um den Umgang miteinander. Man kennt den Namen des Menschen, auf dessen Land man steht. Man spricht miteinander. Man interessiert sich füreinander und respektiert genauso, wenn jemand seine Ruhe haben möchte.
Manche Begegnungen bleiben bei einem Gespräch am Gartenzaun. Andere enden damit, dass man Monate später 200 Kilometer Umweg fährt, weil man diese Menschen noch einmal besuchen möchte.
Beides ist völlig in Ordnung. Das Entscheidende ist, dass man nicht anonym irgendwo abgestellt ist.
Warum wir länger bleiben wollen
Wer längere Zeit mit einem Camper unterwegs ist, kennt diese Tage, an denen man schon am Nachmittag anfängt, darüber nachzudenken, wo man abends stehen wird. Man schaut in die erste App, liest Bewertungen, verwirft einen Platz, fährt weiter, stellt fest, daß der nächste voll ist, und verbringt am Ende einen beträchtlichen Teil des Tages damit, einen Platz für die Nacht zu organisieren.
Natürlich gehört das zum Reisen dazu. Trotzdem fragen wir uns, warum wir das jeden Tag machen sollten. Wir möchten an einem guten Ort auch einfach einmal bleiben können. Eine Woche, zwei Wochen oder länger.
MyNomadHaven richtet sich deshalb besonders an Menschen, die langsam reisen, unterwegs arbeiten oder nicht das Bedürfnis haben, jeden Morgen wieder auf der Straße zu sein. Wer länger bleibt, bekommt mehr von einer Region mit und hinterlässt dort auch etwas anderes als ein Fahrzeug, das am nächsten Morgen wieder verschwunden ist.
Man kauft im kleinen Laden ein, geht zum Bäcker, nutzt die Werkstatt im Ort, besucht einen Markt oder erfährt überhaupt erst, was es in der Gegend gibt, weil jemand vor Ort davon erzählt.
So entsteht ein ganz anderer Kontakt zu einem Ort.
Jeder Haven darf anders sein
Wir wollen auch nicht festlegen, wie der Austausch zwischen Haven und Nomad auszusehen hat. Menschen sind verschieden, ihre Plätze sind verschieden und ihre Möglichkeiten genauso.
Ein Haven möchte einen finanziellen Beitrag für den Aufenthalt. An einem anderen Ort wird gerade Hilfe im Garten gebraucht. Jemand kann fotografieren und macht Bilder für einen Hofladen, ein anderer repariert etwas oder gibt sein Wissen weiter. Genauso kann ein Aufenthalt auch einfach über einen vereinbarten Beitrag funktionieren, ohne dass irgendjemand zusätzliche Arbeit leisten muss. Das entscheiden die Menschen miteinander.
Wir möchten daraus ganz bewusst kein kompliziertes Punktesystem machen, bei dem am Ende berechnet wird, wie viele Stunden Unkrautjäten einer Übernachtung entsprechen. Menschen können miteinander reden und Vereinbarungen treffen.
Gerade deshalb verwenden wir für MyNomadHaven lieber das Wort Gemeinschaft als Plattform. Eine Plattform bringt Anbieter und Kunden zusammen. Das ist nicht das, was wir aufbauen wollen.
In einer Gemeinschaft bringen Menschen unterschiedliche Dinge ein: Wissen, Fähigkeiten, Kontakte, Geld, Arbeit, Produkte, Ideen oder schlicht ihre Zeit. Nicht jeder bringt dasselbe mit und das muss er auch nicht.
Aus diesem Gedanken heraus ist auch unser interner Marktplatz entstanden. Havens und Nomads können dort zeigen, was sie anbieten, herstellen, suchen oder brauchen. Das kann eine Dienstleistung sein, ein Produkt, ein Workshop oder ganz praktische Hilfe.
Nicht alles muss dabei verkauft werden. Manches lässt sich tauschen und manches ergibt sich einfach, weil jemand den richtigen Menschen kennt.
So funktioniert das wirkliche Leben schließlich auch.
Camp’n’Connect und MyNomadHaven
Sehr gut ergänzt wird diese Idee für uns durch die Zusammenarbeit mit Camp’n’Connect.
Camp’n’Connect bringt Menschen zusammen, die gerade mit ihrem Camper unterwegs sind. Du kannst sehen, wer sich in Deiner Umgebung befindet, Dich auf einen Kaffee verabreden, gemeinsam etwas unternehmen oder ein Stück zusammen weiterfahren.
Das Smartphone ist dabei nur das Werkzeug, mit dem Menschen sich finden. Die eigentliche Begegnung findet danach statt.
MyNomadHaven setzt an einer anderen Stelle an und schafft die Orte, an denen Menschen für eine Weile bleiben können.
Camp’n’Connect verbindet unterwegs · MyNomadHaven lässt Dich ankommen
Das passt für uns sehr gut zusammen. Menschen lernen sich unterwegs kennen und landen später gemeinsam an einem Haven, wo noch einmal andere Menschen dazukommen. So entstehen Kontakte, die über eine klassische Stellplatzsuche kaum zustande gekommen wären.
Genau darum geht es uns.
Vielleicht brauchen wir nicht mehr Stellplätze, sondern eine bessere Verteilung
An vielen beliebten Reisezielen sehen wir inzwischen dieselben Probleme. Zu viele Fahrzeuge konzentrieren sich auf wenige bekannte Plätze, Anwohner sind genervt, Gemeinden sperren Parkflächen, stellen Höhenbegrenzungen auf oder verbieten das Übernachten komplett.
Auf der anderen Seite sitzen Reisende in ihren Fahrzeugen und haben zunehmend das Gefühl, überall unerwünscht zu sein. Die Camper verschwinden durch ein Verbot allerdings nicht. Sie fahren zum nächsten bekannten Platz, und dort beginnt dasselbe Problem von vorne. Wir halten es deshalb für sinnvoll, darüber nachzudenken, wie sich Reisende besser verteilen lassen.
Statt dreißig Fahrzeugen auf einer Fläche kann ein Fahrzeug auf einem Hof stehen, zwei weitere ein paar Kilometer entfernt und wieder eines im nächsten Dorf. Nicht heimlich und nicht auf irgendeiner Wiese, sondern bei Menschen, die ganz ausdrücklich gesagt haben, dass dort Gäste willkommen sind.
Das wird nicht sämtliche Probleme des Campingtourismus lösen. Es kann aber einen Teil des Drucks aus den stark besuchten Gebieten nehmen und gleichzeitig Reisende in ländliche Regionen bringen, an denen sie sonst vorbeigefahren wären.
Davon können diese Regionen durchaus profitieren. Wer mehrere Tage bleibt, braucht Lebensmittel, Brot, eine Werkstatt, einen Friseur, einen Tierarzt oder geht zum Wochenmarkt. Geld, das sonst beim großen Supermarkt an der Autobahn landet, bleibt zumindest zum Teil vor Ort.
Und auch für die Gastgeber ist der Austausch nicht einseitig. Sie lernen Menschen aus anderen Ländern und Regionen kennen, bekommen neue Ideen, Kontakte und manchmal ganz praktische Unterstützung. An einem Nachmittag hilft jemand im Garten, beim nächsten Besuch sitzt man einfach nur bei einer Tasse Kaffee zusammen.
Mehr muss daraus gar nicht werden.
Gemeinschaft braucht kein Dauerprogramm
Das ist uns besonders wichtig, weil Gemeinschaft schnell nach einem sehr anstrengenden Konzept klingt.
Wir möchten keine Orte schaffen, an denen jeder jeden Abend gemeinsam essen, am Feuer sitzen oder an irgendwelchen Aktivitäten teilnehmen muss. Niemand muss besonders kommunikativ sein, um Teil von MyNomadHaven zu sein.
Du kannst auf einem Haven genauso gut mehrere Tage arbeiten, lesen, mit Deinem Hund durch den Wald gehen und Deine Ruhe genießen.
Gemeinschaft bedeutet für uns nicht, ständig etwas gemeinsam tun zu müssen. Es bedeutet, zu wissen, dass man an einem Ort willkommen ist.
Dieser kleine Unterschied verändert viel. Wenn Du Monate später wieder durch dieselbe Gegend fährst, suchst Du nicht unbedingt als Erstes in einer App nach einem Stellplatz. Du schreibst den Menschen, die Du dort kennengelernt hast:
„Seid Ihr zuhause? Wir wären nächste Woche in der Nähe.“
Und wenn als Antwort kommt:
„Klar, kommt vorbei.“
dann ist aus dem Stellplatz längst etwas anderes geworden.
Du fährst an einen Ort zurück, den Du kennst, zu Menschen, die sich daran erinnern, wer Du bist. Aus einer Übernachtung ist eine Verbindung entstanden und aus einem Platz ein Ort, an den Du gerne zurückkehrst.
Genau das meinen wir mit: Freistehen bei Freunden
Legal · Freundschaftlich · Entspannt
Wenn Du genau so reisen möchtest, dann werde Teil von MyNomadHaven. Wenn Du mit Deinem Camper unterwegs bist, findest Du bei uns Orte, an denen Du nicht nur stehen, sondern wirklich ankommen kannst. Und wenn Du selbst einen Platz hast, den Du mit Reisenden teilen möchtest, dann öffne Deinen Haven für Menschen, die diese Art des Unterwegsseins genauso schätzen wie Du.
Komm zu MyNomadHaven – als Nomad oder als Haven – und mach aus einem Stellplatz einen Ort zum Ankommen.
Herzensgrüße von unserem Haven in den nordschwedischen Wäldern
Xanthia
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