Stell dir vor, du stehst mit deinem Camper auf einem Messe-Stellplatz, gehst morgens zur Toilette – und leistest ganz nebenbei einen Beitrag zur Bauindustrie der Zukunft. Klingt verrückt? Ist aber genau das, was auf der CMT 2026 in Stuttgart passiert.
Denn dort wird Urin gesammelt. Ja, richtig gelesen. Und zwar für ein ziemlich beeindruckendes Forschungsprojekt rund um einen nachhaltigen Baustoff.
Was hat Camping mit Biobeton zu tun?
Beton ist überall – Häuser, Brücken, Straßen. Leider ist seine Herstellung bisher extrem klimaschädlich. Genau deshalb forscht ein Team der Universität Stuttgart an einer Alternative: Biobeton.
Das Besondere daran? Er entsteht durch einen biologischen Prozess (Biomineralisierung) und kann nahezu CO₂-neutral aus Abfallstoffen hergestellt werden. Einer dieser Stoffe: menschlicher Urin. Ein Rohstoff, den Camperinnen und Camper mit Trenntoilette ganz automatisch produzieren.
Und jetzt kommt ihr ins Spiel.
Camper helfen der Forschung – ganz praktisch
Um Biobeton weiterzuentwickeln, braucht das Forschungsteam große Mengen Urin – rund 26.000 Liter pro Kubikmeter Biobeton. Deshalb startet auf der CMT vom 17. bis 25. Januar 2026 eine große Sammelaktion.
Alle, die während der Messe auf dem Wohnmobilstellplatz der Messe Stuttgart stehen und eine Trenntoilette nutzen, können den Inhalt ihres Urinkanisters spenden. Direkt vor Ort, unkompliziert und freiwillig.
Möglich macht das eine starke Kooperation zwischen der Messe Stuttgart, dem Trenntoilettenhersteller Arwinger, dem Komposttoiletten-Anbieter Kompotoi und der Universität Stuttgart. Sammelbehälter und Abtransport sind organisiert – ihr müsst nur mitmachen.
Warum das perfekt zur Camping-Community passt
Nachhaltigkeit ist für viele von uns kein Buzzword, sondern gelebter Alltag: weniger Chemie, bewusster Ressourcenverbrauch, Kreislaufdenken. Genau hier setzt das Projekt an.
Statt Urin als Abfall zu sehen, wird er als wertvoller Rohstoff genutzt. Arwinger-Geschäftsführer Sven Mahn (selbst gelernter Betonbauer) spricht von einem echten Aha-Moment. Und auch Kompotoi-Mitgründer Jojo Casanova bringt es auf den Punkt: „Unsere Ausscheidungen können deutlich mehr, als wir ihnen heute zutrauen.“
Plötzlich werden Orte wie Messen, Events oder Stellplätze zu kleinen Knotenpunkten einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.
Wie wird aus Urin eigentlich ein Baustoff?
Falls du dich fragst, was genau mit deinem gespendeten Urin passiert – hier die Kurzversion:
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Sand wird mit einem bakterienhaltigen Pulver vermischt
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Die Mischung kommt in eine Form
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Über mehrere Tage wird sie mit calciumangereichertem Urin gespült
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Bakterien wandeln Harnstoff in Carbonat um
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Es entstehen Kalkkristalle, die das Material verfestigen
Das Ergebnis: Biobeton, der Druckfestigkeiten von über 60 MPa erreicht – stärker als viele bisher bekannte biobasierte Baustoffe. Aktuell entstehen Bauteile mit bis zu 15 cm Tiefe, in unterschiedlichen Formen.
Wer es genauer wissen will, kann auf der CMT direkt mit den Forschenden sprechen – am Stand von Arwinger in Halle 8, Stand D03.
Kleine Spende, große Wirkung
Die Aktion zeigt eindrucksvoll, wie viel Innovationskraft in der Camping-Community steckt. Mit etwas, das ohnehin anfällt, könnt ihr helfen, neue Wege für nachhaltiges Bauen zu eröffnen.
Oder anders gesagt: Dein nächster Toilettengang könnte ein kleiner Schritt für dich – und ein großer Schritt für die Zukunft sein. 🚀

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